Krisen erkennen & Ausbildungsabbruch vermeiden
Shownotes
Ihr Azubi kommt plötzlich zu spät, zieht sich zurück oder seine Leistungen brechen ein? Dahinter kann eine persönliche Krise stecken. Erfahren Sie, wie Sie Warnsignale richtig einordnen, schwierige Gespräche führen und helfen können, ohne selbst zum Therapeuten zu werden.
Genannte Links & Ressourcen:
Weitere Infos zum Thema: www.kofa.de
Leitfaden Krisengespräch (KOFA):
Psychosoziale Beratung (IHK Düsseldorf): Kostenlose 24/7-Hotline für Azubis und Ausbilder
Telefonseelsorge: Kostenlose 24/7-Hotline per Telefon oder Chat
Notruf 112: Bei akuter Gefahr für Leben und Gesundheit.
AsA flex: Kostenlose Nachhilfe und Ausbildungsbegleitung über die Agentur für Arbeit.
IHK-Ausbildungsberatung: Ansprechpartner bei dauerhaften Problemen und formalen Fragen.
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Wir freuen uns über Ihr Feedback und Themenwünsche an pruefer-update@ihk.duesseldorf.de.
Das „IHK Prüfer-Update“ ist ein Podcastangebot der IHK Düsseldorf.
Fachprüfung und finale Freigabe obliegen der IHK. Textfassung und Vertonung entstehen mit KI-Unterstützung.
Transkript anzeigen
00:00:00: Wie merke ich eigentlich, dass mein Azubi in einer echten Krise steckt?
00:00:07: Und wo hört meine Verantwortung als Ausbilderin oder Ausbilder auf?
00:00:12: Darüber sprechen wir heute.
00:00:27: Hallo und herzlich willkommen!
00:00:29: Mein Name ist Nina...
00:00:30: ...und ich bin Marco Ina, ich fang mal mit einer Situation aus unserem Betrieb an.
00:00:35: Unser Azubi Tom ist eigentlich ein richtig fitter Typ aber seit einiger Zeit kommt er plötzlich zu spät erst einsilbig guck nur noch auf den Boden Er kriegt nichts mehr auf die Reihe.
00:00:46: und ganz ehrlich denke ich in so einem Moment Mensch jetzt reist dich doch mal zusammen Ja!
00:00:52: Den Gedanken kennt wohl jeder.
00:00:54: Und einen solchen Tom gibt's auch in fast jedem Betrieb.
00:00:58: Und wer jetzt sagt, er hatte noch nie einen Azubi in der Krise hat es wahrscheinlich nur nicht mitbekommen.
00:01:04: Das beruhigt mich schon mal ein wenig!
00:01:06: Ich dachte das gibt's so nur bei uns?
00:01:08: Nee und ist wichtig da genau hinzuschauen Denn aus so einer Krise wird schnell ein Abbruch einfach weil dem Azubis gerade alles zu viel wird Obwohl er die Ausbildung eigentlich bisher gut gepackt hat.
00:01:20: Und woran merke ich?
00:01:21: dass Tom wirklich in eine Krise steckt und nicht nur eine schlechte Laune Phase hat.
00:01:26: Da gibts eine einfache Faustregel.
00:01:28: Schau auf zwei Dinge.
00:01:29: Wie lang geht das schon so und was hat sich verändert?
00:01:33: Zwei schlechte Tage hat jeder von uns mal klar, aber wenn es länger als zwei Wochen geht solltest du hellhörig werden.
00:01:40: Heißt das ich warte erstmal zwei Wochen ab?
00:01:43: Nein nachragen darfst Du immer!
00:01:45: Die zwei Wochen sind die Grenze ab der Du's nicht mehr laufen lassen solltest.
00:01:49: Und worauf achte ich konkret?
00:01:51: Auf drei Dinge.
00:01:52: Erstens die Leistung.
00:01:54: Die bricht oft plötzlich ein, Aufgaben, die sonst nebenbei liefen, dauern auf einmal dreimal so lang oder sie stecken voller Flüchtigkeitsfehler.
00:02:02: Zweitens wie
00:02:03: jemand mit anderen umgeht.
00:02:05: da gibt's meistens zwei Extreme entweder zieht sich Tom auf einmal zurück wird still lacht nicht mehr sitzt in der Pause allein in der Ecke Oder er ist plötzlich gereizt und legt sich mit den Kollegen an.
00:02:18: Und drittens
00:02:19: achtest du auf die Körpersignale.
00:02:21: Ist Tom zum Beispiel plötzlich ständig müde, hat Augenringe zittrige Hände?
00:02:26: Oder wirkt er auf einmal ungepflegt und ein Klassiker.
00:02:29: Plötzliche Krankmeldungen ohne klaren Grund auffällig oft Montags oder kurz vor Prüfungen.
00:02:36: Da fallen mir sofort zwei Azubis aus den letzten Jahren ein.
00:02:40: aber damals habe ich gedacht die haben einfach keinen Bock mehr.
00:02:43: Ja, kann so sein.
00:02:45: Das Problem ist nur Rückzug und Erschöpfung sehen von außen genauso aus wie null Bock!
00:02:51: Deshalb erstmal neugierig bleiben und nachfragen – nicht gleich urteilen.
00:02:55: Aber das fällt mir ja nur auf wenn ich Tom ein bisschen kenne.
00:02:59: Eben
00:02:59: wer nun alle paar Wochen mal durch die Werkstatt läuft merkt gar nichts.
00:03:03: Deshalb mein wichtigster Tipp Ein fester Check in Einmal die Woche ein ehrliches Wie geht's dir?
00:03:09: Und zwar nicht zwischen Tür und Angel.
00:03:11: Aber doch nicht mit jedem Azubi!
00:03:12: Doch,
00:03:13: mit jedem muss nicht lange dauern.
00:03:15: Wichtig ist nur dass du es regelmäßig machst und ernst meinst Das is dein Frühwarnsystem.
00:03:22: Ich hab doch schon jetzt nicht genügend Zeit.
00:03:24: Klar,
00:03:24: versteh ich!
00:03:25: Aber jetzt rechne doch mal dagegen... Ein Abbruch oder wochenlange Fehlzeiten?
00:03:29: Das kostet viel mehr Zeit und Nerven als jeden Azubi regelmäßig zu fragen wie's ihm geht.
00:03:34: Und
00:03:35: wenn es dann wirklich mal kriselt
00:03:36: Dann kommt Tom eher von sich aus zu dir Weil er weiß du hast dich auch vorher schon für ihn interessiert.
00:03:42: Ohne Vertrauen erzählt ihr nämlich keiner was.
00:03:44: Jetzt
00:03:44: spulen wir mal vor.
00:03:45: Mein Frühwarnsystem schlägt also an Bei Tom stimmt was nicht?
00:03:49: Was mach' ich denn?
00:03:50: Ich kann ja schlecht quer durchs Büro rufen, hey Tom hast du Depressionen oder was?
00:03:55: So natürlich
00:03:56: nicht.
00:03:56: Dann macht Tom nämlich garantiert dicht!
00:03:59: Such dir einen ruhigen Moment unter vier Augen – nicht eine Werkbank, nicht auf dem Flur am besten in einem Raum wo ihr ungestört seid.
00:04:06: Und
00:04:06: wie fange ich dann das Gespräch an wenn ich sage Du machst in letzter Zeit nur Mist?
00:04:12: Geht Tom doch sofort in die Verteidigung.
00:04:14: Fang
00:04:15: deshalb mit Ich-Botschaften statt Vorwürfen an, sagt zum Beispiel mir ist aufgefallen dass du in den letzten Wochen oft müde wirkst und die Aufgaben dauern länger als sonst.
00:04:25: ich mach mir Sorgen Ist alles okay bei dir?
00:04:27: Ja
00:04:27: das klingt gleich viel persönlicher.
00:04:29: aber was wenn Tom dann nur sagt passt schon Alles gut
00:04:33: Das passiert oft.
00:04:34: Dann nicht bohren Lass das Angebot einfach stehen.
00:04:37: Okay Wenn was ist.
00:04:38: Du weißt wo du mich findest Und ein paar Tage später fragst du noch mal nach.
00:04:43: Allein, dass du es gemerkt hast kommt bei ihm an.
00:04:46: Wenn er sich dann öffnet?
00:04:47: Dann kommt der wichtigste Teil und für dich als Ausbilder oft der Schwerste zuhören.
00:04:53: Heißt also Mund halten und Tom reden lassen!
00:04:57: So ist es.
00:04:58: ausredenlassen auch eine längere Stille aushalten nicht gleich mit Ratschlägen kommen und auch nicht mit.
00:05:05: ach das wird schon wieder.
00:05:07: Du musst in dem Moment keine Lösung haben.
00:05:09: Hör einfach zu und halt aus, was kommt.
00:05:13: Irgendwann sagt Tom dann vielleicht Ich versteh'n Mathe gar nichts mehr Und zu Hause ist auch nur noch Stress seit mein Stiefvater seinen Job verloren hat Puh!
00:05:22: Und wie reagier ich denn jetzt ohne dass es aufgesetzt wirkt?
00:05:26: Indem du erst mal kurz in eigenen Worten spiegelst Was bei dir angekommen isst?
00:05:31: Sag also nicht einfach nur, mhm Sondern fass das zum Beispiel so zusammen.
00:05:36: Also belasten dich zwei Dinge In der Berufsschule gibt's Stress wegen Mathe und zu Hause läuft gerade auch alles schief.
00:05:44: Dann weiß Tom, ob du ihn verstanden hast!
00:05:46: Okay... Jetzt hat Tom ja gleich zwei Baustellen?
00:05:50: Ist das
00:05:50: typisch?!
00:05:51: Ja
00:05:51: oft ist es nicht nur eine Sache.
00:05:53: Regelmäßig geht es dabei um folgende drei große Bauställen.
00:05:57: Erstens
00:05:58: fachliche Überforderung Der Stoff zieht an und irgendwann versteht man nur noch Bahnhof.
00:06:03: Zweitens Probleme im Privatleben Liebeskummer, Geldsorgen, Streit zu Hause.
00:06:08: Und
00:06:08: drittens
00:06:09: psychische Erkrankungen – also etwa eine Depression oder Panikattacken vor Prüfungen.
00:06:15: Wie weit geht denn jetzt meine Verantwortung?
00:06:18: Fangen wir mit dem ersten Brandherd an!
00:06:20: Wenn's fachlich hakt bin ich als Ausbilder ja in meinem Element.
00:06:23: Absolut
00:06:24: und da reichen oft kleine Handgriffe große Aufgaben in kleine Häppchen-Teilen, Ziele setzen die man schaffen kann oder einen erfahrenen Azubi als Lernpartner an die Seite stellen.
00:06:35: Und wenn wir das im Betrieb nicht allein auffangen können, bei Tom das Matheproblem zum Beispiel...
00:06:40: Dann lohnt sich ein Anruf bei der Agentur für Arbeit.
00:06:43: Die hat einen Programm,
00:06:44: d.h.,
00:06:44: assistierte Ausbildung flexibel.
00:06:47: Da bekommen Azubis kostenlos Nachhilfe und jemanden, der sie durch die Ausbildung begleitet.
00:06:53: Gut!
00:06:54: Jetzt Tom's zweite Baustelle – Der Stress zu Hause oder?
00:06:58: Wenn ich das Gefühl habe da steckt eine Depression dahinter.
00:07:01: Das ist ja nicht mehr mein Fachgebiet.
00:07:03: Und hier kommt der wichtigste Satz dieser Folde, du bist kein Therapeut und du musst auch keiner sein!
00:07:09: Der größte Fehler ist solche Probleme selbst lösen zu wollen.
00:07:13: Aber ich kann zu Tom jetzt ja auch nicht sagen schön dass wir darüber gesprochen haben und ihn dann einfach sitzen lassen
00:07:21: Nee, musst du auch nicht.
00:07:22: Stell dir vor Du bist der Lohze Nicht der Rettungsschwimmer Du springst nicht selbst ins Wasser.
00:07:28: Du zeigst Tom den Weg zur Hilfe.
00:07:30: Und wie sage ich das, ohne dass es nach Abschieben klingt?
00:07:33: Zum Beispiel so.
00:07:35: Da komme ich an meine Grenzen.
00:07:36: aber lass uns zusammenschauen wer dir helfen kann.
00:07:39: und
00:07:39: an wen verweise ich Tom?
00:07:41: dann
00:07:42: wenn dein Betrieb zur IHK Düsseldorf gehört gibt's da die kostenlose vierundzwanzig Stunden Hotline für psychosoziale Beratung.
00:07:49: Wie läuft das ab sagen wir Tom ruft er an.
00:07:52: Das
00:07:52: kann er jederzeit auch nachts um eins.
00:07:55: Er muss seinen Namen nicht sagen.
00:07:56: am Telefon bekommt er gleich Rat von Fachleuten.
00:07:59: Und wenn ein Telefonat nicht reicht?
00:08:01: Dann vermitteln die einen Termin vor Ort.
00:08:03: Kann ich da auch selbst anrufen?
00:08:05: Ja, auch du als Ausbilder!
00:08:07: Wenn du zum Beispiel unsicher bist wie du so ein Gespräch angehst, holst du dir dort Rat – für Ausbildern gibt's außerdem Workshops.
00:08:14: Und wenn mein Betrieb in einem anderen Bezirk liegt?
00:08:17: Dann frag bei deiner eigenen Kammer nach.
00:08:19: Viele haben ähnliche Angebote.
00:08:22: Ansonsten gibt es natürlich die vierundzwanzig Stunden Hotline der Telefonseelsorge.
00:08:26: Gibt's auch Situationen, in denen ich sofort handeln muss?
00:08:30: Ja.
00:08:30: Wenn jemand sagt, dass er nicht mehr leben will oder wenn du Hinweise auf Selbstverletzung siehst ... Dann informierst Du die Personalabteilung – sofort!
00:08:39: Und die ruft im Zweifel die eins-eins-zwei an ….
00:08:42: Auch
00:08:42: wenn Tom mich bittet das keinem zu erzählen….
00:08:44: Ja,
00:08:45: sag ihm, dass Du das nicht kannst, wenn sein Leben in Gefahr ist.
00:08:49: Sonst gilt natürlich was ihr unter vier Augen besprecht bleibt auch da aber hier geht Sicherheit vor.
00:08:55: Okay Zurück zu Tom und mir.
00:08:57: Wir haben geredet, ich habe zugehört.
00:08:59: wir wissen wer helfen kann.
00:09:01: Wie bringe ich das Gespräch jetzt gut zum Ende?
00:09:03: Nicht einfach mit okay danke und jeder geht wieder an seine Arbeit.
00:09:07: Besser ihr vereinbart ein.
00:09:09: zwei kleine Schritte bei Tom.
00:09:10: vielleicht bis Mittwoch machen wir zusammen einen Lernplan für Mathe Und bis Freitag rufst du beider Hotline an.
00:09:17: Dann
00:09:18: gleich den nächsten Termin ausmachen.
00:09:20: Nächsten freitag setzen wir uns zehn Minuten zusammen und schauen wie es dir geht.
00:09:24: Und den Termin sage ich dann besser nicht wegen irgendeines Meetings ab.
00:09:28: Bloß
00:09:28: nicht, sonst ist das Vertrauen sofort wieder weg!
00:09:31: Nina zum Schluss noch mal was sollte man auf keinen Fall tun?
00:09:35: Drei Dinge.
00:09:36: Erstens nie vor versammelter Mannschaft tritisieren.
00:09:39: Zweitens nichts kleinreden also kein stelle dich nicht so an.
00:09:44: und drittens Nicht den Therapeuten spielen.
00:09:47: Was sollte man unbedingt tun?
00:09:49: auch drei Dinge erstens vertraulichkeit waren Außer.
00:09:53: es geht um Leib und Leben.
00:09:55: Zweitens Geduld haben.
00:09:57: Eine Krise löst sich nicht über Nacht.
00:10:00: Und drittens dran bleiben.
00:10:01: Was ihr vereinbart, zieht ihr auch durch.
00:10:04: Und damit sind wir bei ihrer Aufgabe für diese Woche.
00:10:07: Fragen sie ihre Azubis ab jetzt regelmäßig wie es ihnen geht Am besten wöchentlich.
00:10:13: Ein Leitfaden-für ein Krisengespräch.
00:10:16: Die IHK Hotline Und alle Notfallnummern finden Sie in den Shownotes.
00:10:21: Das war's für heute.
00:10:22: Jetzt sind Sie dran!
00:10:24: Wenn sie auch eine höherer Frage oder einen Themenwunsch für eine der nächsten Folgen haben, schreiben Sie uns gerne.
00:10:30: Bis in zwei Wochen und bleiben Sie Ausbildungsfit.
00:10:34: Kleiner Hinweis zum Schluss Unsere Stimmen in diesem Podcasts sind KI generiert aber die Inhalte selbstverständlich von der IHK geprüft.
00:10:44: Das IHK-Ausbilder Update ist ein Podcast der IHKA Düsseldorf.
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